Der Grundriss der Geschichte Polens





 

Auf dem polnischen Boden sind die ersten Spuren des menschlichen Lebens noch vor 180.000 Jahren und die Überreste von Siedlungen des Menschen vor 50.000 Jahren nachzuweisen. Im 8. Jh. bewohnten einige slawische Volksstämme das Gebiet des heutigen Polens. Die gröβten von ihnen waren Polanen und Vislanen (Polanie und Wiślanie).

Nach der Legende zogen drei Brüder: Lech, Tschech und Rus (Lech, Czech und Rus) lange her durch das Gebiet des heutigen Polens. Plötzlich bemerkte Lech einen weiβen Adler in seinem Nest und beschloss sich hier anzusiedeln. Daher Gniezno (Gniezno ist von dem  polnischen Wort- gniazdo abgeleitet; deutsches Wort- das Nest) war die erste Hauptstadt Polens und der weiβe Adler wurde zum ältesten polnischen Symbol. Das polnische Staatswappen stellt einen weiβen Adler auf dem roten Grund dar. Tschech ging nach Süden und Rus ging nach Osten – beide bildeten dort ihre Staaten.

Der Fürst Mieszko I. (aus der Dynastie der Piasten) schützte Polen vor den Überfällen der Deutschen, die unter dem Vorwand – die heidnischen Völker zum Christentum zu bekehren unternommen wurden. Durch die Eheschließung mit der tschechischen Fürstin Dobrawa übernahm er den christlichen Glauben (966).

Sein Sohn Bolesław Chrobry (Boleslaw der Tapfere) war der erste König Polens (1025 die Krönung zum polnischen König). Im Verlauf der Kämpfe mit Deutschen und Russen eroberte er Lausitz und Kiev.

1038 wurde Krakau zur Hauptstadt Polens unter der Herrschaft Kazimierz I. Odnowiciel (Kasimir I. der Erneuerer).

Im XII. Jh. besiegte der König Bolesław III. Krzywousty (Boleslaw III. der Schiefmund) die Deutschen – 1109 Schlacht bei Psie Pole. Vor seinem Tod teilte er seinen Staat unter seinen Söhnen auf und sie teilten das Land unter seinen Enkelkinder weiter. So stärkte sich die Zersplitterung des Landes in einzelne Landesteile. Allmählich entstanden kleine Herzogtümer, die miteinander entzweit waren und nur schwer den Nachbarn entgegen Widerstand leisten konnten.

Einer der Fürsten, Konrad Mazowiecki, rief 1226 den während der Kreuzzüge gegründeten Deutschen Orden (auch Kreuzritterorden genannt) zu Verteidigungszwecken nach Polen, weil sich die zerstörerischen Überfälle der Prussen (baltische Volsstamm) häuften.

Die Kreuzritter haben nach kurzer Zeit die Prussen unterworfen. Anstatt  Schutz zu sein, der die Grenzen Polens sichert, baute der Orden seinen eigenen Staat auf und somit machte er sich von dem Einfluss der Herzöge frei. Gegen Ende des Jahrhunderts stellte er eine ernste Gefahr für die, durch die Erbteilung zersplitterten Herzogtümer dar.

Inzwischen kam es 1241 zu einem Feldzug der Mongolen - Tataren genannt - gegen die europäischen Länder. Eine ihrer Armeen verwüstete Malopolska mit Krakau und auch Schlesien. 1259 erfolgte der zweite Überfall der Tataren, bei dem die Gebiete Südpolens verwüstet wurden.

Die Krönung Władysław I. Łokietek 1320 war der Höhepunkt der Bestrebungen nach der Vereinigung. Zu Zeiten Władysław I. Łokietek gehörte die Schlacht bei Płowce 1331 zu den bedeutenden Tatsachen, da die Ordensritter sehr groβen Schaden erlitten, was die weiteren zerstörerischen Kriege verhinderte. Der nächste König Kazimierz Wielki (Kasimir der Groβe), der Sohn von Władysław I. Łokietek, leistete einen sehr groβen Beitrag auf dem Gebiet der Wirtschaft. Zu seinen Verdiensten gehören: die Kodifizierung der Gesetzgebung, die Staatsschatz- und die Heeresreform. Er bildete Grundlagen für die Entstehung der Universität in Krakau 1364 (heutige „Uniwersytet Jagielloński“).

Er nahm die, aus den westeuropäischen Ländern vertriebenen Juden entgegen, hauptsächlich aus Deutschland (daher die Sprache Jüdisch). Man sagt, Kazimierz Wielki fand „hölzernes” Polen und hinterlieβ „steinernes” Polen. (Das bezieht sich auf das damalige Bauwesen). Er war der letzte Herrscher aus der Dynastie der Piasten.

1385 schlossen, die von den Ordensrittern Bedrohten, das Groβfürstentum Litauen und Polen ein Bündnis in Krewa (die Realunion erst 1569 in Lublin). Gemäβ den Festlegungen des Vertrages lieβ sich der Groβfürst Jagello taufen, nahm den Namen Władysław an und wurde zum polnischen König gekrönnt (Dynastie der Jagellonen). Im Juli 1410 bei Tannenberg (Grunwald) schlug er die Truppen der Ordensritter nieder. Nach der Niederlage wurde die expansive Kraft des Ordens für immer gebrochen.

Im 16. Jh. Zygmunt I. Stary (Sigismund I. der Alte), der vorletzte Herrscher aus der Dynastie der Jagellonen verursachte die Verstaatlichung (Säkularisation) Preussens. Der Ordensstaat wurde das weltliche Fürstentum Preussen (Prusy Książęce) und der letzte Hochmeister Albrecht von Hohenzollern (der Neffe des polnischen Königs) wurde Erbfürst und Lehnsmann Polens. 1525 fand in Krakau der Preussische Lehnseid (Hołd Pruski) statt. So war der Anfang des Preussischen Staates, der dann andere deutschen Herzogtümer inkorporierte und wurde zu Zeiten Friedrich des Groβen zur europäischen Macht.

Das Ende des 16. Jhs. war die Blütezeit in der Geschichte Polens (die Wirtschaft, Kultur und Militärstärke); Polen trat in das sog. „Goldene Jahrhundert”. Anfang des 17. Jhs. hatte Polen die Fläche von 990 000 km² und wurde zur Macht.

Nach dem Tod des Königs Zygmunt II. August (Sigismund II. August), der kein Nachkommen hinterlieβ, trat das Prinzip „freie Königswahl” (wolna elekcja) in Kraft, d.h. der gesamte Adel hatte das unmittelbare Monarchenwahlrecht. Der andere Wahlkönig war Stefan Batory, der siegreiche Feldzüge gegen Moskau unternahm und Livland (Inflanty) wiederbekam. Nach den siegreichen Schlachten bei Połock (1579) und Wielkie Łuki (1580) belagerte er Pskow (1581), was die Bedrohung für Moskau selbst war. Die Fürsprache des Papstes verursachte die Einstellung der Kämpfe.

Zygmunt III. Waza (Sigismund III.Vasa) stammte aus der schwedischen Vasa- Dynastie. Der König verlegte seine Residenz von Krakau (Kraków) nach Warschau (Warszawa) und machte die Stadt zur Hauptstadt Polens. Unter der Herrschaft der Könige aus der Vasa- Dynastie, Zygmunt III., Władysław IV. und Jan Kazimierz wegen sowohl Nachfolge- als auch Gebietsansprüche (Livland) kam es zu den Kämpfen mit Schweden (Kircholm 1605, Oliwa- 1627). Endlich 1655 kam es zu der schwedischen Besatzung, der sog. schwedischen „Sintflut” (Szwedzki Potop), die fast das ganze Gebiet Polens einschlieβlich Krakau umfasste. In dieser Zeit erreichte die türkische Macht die polnische Grenze.

Der polnische König Jan III. Sobieski, der Fürsprache des damaligen Papstes folgend, leistete Österreich die Hilfe. Er übernahm den Oberbefehl über die verbündeten Armeen, errang den Sieg in der Schlacht bei Wien (1683) und befreite Wien von der türkischen Belagerung. Das damals geretette Österreich nahm 89 Jahre später an der Teilung Polens teil.

Unter der Herrschaft der sächsischen Wahlkönige aus der Wettin-Dynastie verfiel Polen in einen Zustand politischer Lähmung. Polen war den drei Mächten Russland, Preussen und Österreich entgegen wehrlos. Zu dieser Zeit sagte man: der König und der ganze Adel  verbrachten die Zeit beim Essen, Trinken und Spielen.

1772 kam es zu der ersten Teilung Polens (Polen verlor 1/4 seines Territoriums). Die Versuche Polen zu retten in der Zeit der Herrschaft des Königs Stanislaw August Poniatowski gingen schief. Auch die Verfassung vom 3. Mai (Konstytucja 3. Maja - 1791) konnte schon nichts ändern (die polnische Armee zählte lediglich 57 000 Soldaten). 1793 folgte die zweite Teilung Polens (Polen behielt nur 1/4 seines ursprünglichen Territoriums). 

Der von Tadeusz Kościuszko gegen Russland geleiteter Aufstand 1794 wurde unterdrückt. 1795 folgte die dritte Teilung Polens und somit verschwand Polen von der Landkarte Europas.

Schon 1797 gelang es General Henryk Dąbrowski, in der Hoffnung die nationale Unabhängigkeit zu gewinnen, nationale Formationen (polnische Legionen - Legiony Polskie) zu bilden, die die französische Armee unterstützten. Trotz der Opferbereitschaft der Polen wurde nur das Groβherzogtum Warschau (1807- 1815) von Napoleon gebildet. Die Armee zählte doch 91 000 Soldaten.

Nach der Niederlage Napoleons und laut Beschluss des Wiener Kongresses (1815) entstand das Königreich Polen, das kleiner als das Groβherzogtum Warschau war, das die Personalunion mit Russland verband, d.h. Polen blieb unter Herrschaft des Zaren; auβerdem wurde nur aus dem Gebiet, das die Umgebung von Krakau und die Stadt Krakau umfasste, eine freie und unabhängige Stadt - Rzeczpospolita Krakowska - gebildet. Im Königreich Polen gab es eine polnische Armee, die 40 000 Soldaten zählte und dem persönlichen Vertreter des Zaren - dem Groβherzog Konstantin unterlag.

1830 kam es zu dem Novemberaufstand (Powstanie Listopadowe) gegen Russland. Am Anfang gelang es der Armee der Aufständischen, die russische Armee aufzuhalten, jedoch wurden Polen im Oktober 1831 wegen russischer Überzahl niedergeschlagen. Nach dem Novemberaufstand wurde die Autonomie des Königreichs Polen wesentlich eingeschränkt (u.a. das Königreich Polen besaß keine eigene Armee).

1863 brach der Januaraufstand gegen Russland aus. Es waren Partisanenabteilungen, die auf dem Gebiet des Königreichs Polen, Litauens, Bjelorusslands, teilweise der Ukraine kämpften. 1864 nach der Niederlage des Aufstandes wurde die Autonomie des Königreiches Polen im Herbst 1864 abgeschaft. Das Gebiet hieβ dann „Kraj Przywiślański” des Zaristischen Russlands.

Die Hoffnung der polnischen Nation auf nationale Befreiung wurde wieder lebendig, als 1914 unter den Militärblöcken - Russland gegen die Mittelmächte (Preuβen und Österreich) zum Konflikt kam. Der erste Weltkrieg war für Polen ein Bruderkrieg, weil an beiden Seiten der Front hunderttausende Polen als Soldaten kämpften. Auβerdem gab es Legiony Polskie an der Seite der Österreicher und Korpusy Polskie an der Seite der Russen.

Der Sturz der Monarchie in Russland und die Niederlage der Mittelmächte 1918 machten es möglich, Polen als parlamentarische Republik zu proklamieren. An der Spitze stand als Staatsoberhaupt Józef Piłsudski. In den Jahren 1919 und 1920 kämpfte Polen mit Sowjetrussland. Polen schlug die Sowjetarmee, die die Bedrohung für das ganze Europa war, zurück (Bitwa Warszawska). Polen musste jedoch um ihre Grenze mit Deutschen und sogar mit Tschechen und Litauen bis Juni 1921 kämpfen.

Der Zeitraum bis September 1939 war zu kurz, trotz vieler Errungenschaften auf dem Gebiet der Wirtschaft (Stabilisierung der Währung, der neu entstandene Hafen in Gdynia, Zentrale Industriezone u.a.) um einen starken Staat zu bilden.

Am 1.September 1939 begann der Krieg, der von Hitler ausgelöst war. Trotz des heroischen Widerstandes der polnischen Truppen, musste sich Polen zurückziehen, weil die deutsche Wehrmacht hinsichtlich der Überzahl und Motorisierung stark überlegen war. Laut Beschluss Ribbentrop-Molotow überschritt die Sowjetarmee Mitte September die polnische Grenze von Osten. Die versprochene Hilfe von Seiten der Alliierten kam nicht. Polen befand sich unter der deutschen und sowjetischen Okkupation. Viele europäische Länder (auch das mächtige Frankreich) befanden sich unter der deutschen Besatzung. Jedes dieser Länder organisierte seine eigene Verwaltung die mit den Deutschen kolaborierte; in Polen war das aber nicht der Fall. In Frankreich und später in England arbeitete die polnische Exilregierung. Das okkupierte Polen funktionierte in der Konspiration – Delegatura Rządu Polskiego (Delegatur der Polnischen Regierung) mit der gröβten Untergrundorganisation in Europa - Heimatarmee (Armia Krajowa - AK) mit 360 000 Soldaten.

Die polnischen Streitkräfte, die von dem ersten bis zum letzten Tag des Krieges im Osten und im Westen kämpften, zählten 1945 insgesamt eine halbe Million Soldaten. Die Tatsache sicherte Polen, hinsichtlich der Soldatenzahl, den dritten Platz In Europa (nach Sowjetrussland, England aber vor Frankreich).

Infolge der Vereinbarung der Siegermächte ging Polen, trotz groβer Verluste und groβen Beitrages während des zweiten Weltkrieges, in die sowjetischen Hände über. Es ist ein halbes Jahrhundert vergangen, bis Polen mit dem Zerfall der Sowjetunion, seine Unabhängigkeit wiedererlangen konnte.

 


              

 


Koło Kombatantów przy AGH
Al. Mickiewicza 30. 30-059 Kraków
Koło czynne pon. - pt. w godz. 11:00 - 13:00
Telefon: (012) 617-36-05
E-mail: komb@agh.edu.pl